Wohnhochhaus „Orplid“, Böblingen

Wohnhochaus mit Eigentumswohungen und Tiefgarage.

Bauplatz Genkerstr. 35, Amsterdamer Str 40, Böblingen-Steidach.

Partnerarchitekt Kurt Storm; Projektleiter Peter-Fritz Hoffmeyer-Zlotnik.

(5) Kommentare zum Beitrag “Wohnhochhaus „Orplid“, Böblingen”

  1. admin 21.06.2016 03:17

    Architektur als lebendiges Formenspiel„, von Susanne Schmidt

  2. Armin H. Steffen 25.07.2018 16:42

    SgDuH., ich würde sooooo gern die Bemerkungen von Scharoun in Ihrem KopfTeil lesen—-aber sie wechseln zu schnell; es ist die Seite Orplid Böblingen. Was tun, wenn man gründlich und dadurch ruhig lesen und verstehen möchte?
    Dennoch – nette Grüße – Armin S.

    PS.: ..ist nicht eine Kirche/Kapelle der „Die Christengemeinschaft“ in Bochum auch von Hans Scharoun?

  3. admin 27.07.2018 05:33

    Sehr geehrter Herr Steffen, ich nehme an, es handele sich um unser längstes Zitat,

    „So ist also die Frage nach der ›Demokratie als Bauherr‹ im Kern eine Frage nach der Gestalt der Demokratie, die sich einerseits in der Gestalt des politischen Menschen überhaupt, andererseits in der strukturellen Grundlage der politischen Gemeinschaft darstellt. Das heißt, geistige Energie zielt auf eine natürliche, wesensgemäße, organische Ordnung, in Gang gesetzt und betrieben aus der schöpferischen Kraft des einzelnen und aus der Beachtung dessen, daß das Bauen Lebensvorgang bedeutet – mit den Aspekten des Geistigen, Wirtschaftlichen und Politischen, so daß die Aufgaben des Bauens jeden Menschen als geistiges, politisches Subjekt ebenso angehen, wie die Gesamtheit.“

    Danke für den Hinweis, die Geschwindigkeit des Zitat-Blättern haben wir ein wenig reduziert.
    Es ist zugegeben nicht einfach, Scharouns Wendungen waren stets sehr lang.

    Die Bochumer Kapelle finden sie auch bei uns.

  4. Dimitri Suchin 21.07.2019 07:06

    Aus einem Interview im Programm-Magazin der VHS Böblingen:

    …Es ist mir nichts von einem Wettbewerb bekannt… Auch nicht bei „Leere Vasen“, was 1962 sein erster Entwurf für Böblingen war, der aber nicht verwirklicht wurde.
    … [es] kann ausschlaggebend gewesen sein, dass Scharoun in jenen Jahren schon einen Namen hatte als Architekt eines neuen Haustyps – der Eigentumswohnung. Seinen Durchbruch nach dem Kriege hatte er 1957 mit „Romeo“ , dem Vernehmen nach dem ersten Eigentumswohnhaus der Bundesrepublik. Wohnungsbau.

    …Als ausgeprägte Merkmale [organhafter Architektur] können Sie … die Lichtschaufel-Balkone und die Gemeinschaftseinrichtungen sehen… Laubengänge und die Etagenfoyers… Hier wie da sollten die Bewohner sich treffen, sich austauschen können – eben Nachbarn sein, statt Nebeneinander-Bewohner. Und gleichzeitig sich zurückziehen können, fast wie in einem Einfamilienhäuschen: Balkone sind nicht einsehbar, sind keine Alibi-Austritte, sondern echte, nutzbare, funktionale Außenräume.

    …Lasttragend sind hier die Außenwände, die inneren sind versetzbar – und die Wohnungskäufer machten davon häufig noch vor Einzug Gebrauch… Dabei setzte Scharoun seinen Bewohnern keineswegs Unfertiges vor, seine Grundrisse sind sehr wohl vorgedacht. Den Leuten aber zu verbieten, sich darin auszuleben … Gropius machte das.
    …Über die Uneinsehbarkeit der Laubengänge wie im Orplid kann man sich streiten: der Nachbar läuft ja an der eigenen Küche oder am Bad vorbei. Man kann es auch einen Zwang zur Kommunikation nennen. Funktioniert tatsächlich nicht überall.

    …Ich könnte mir vorstellen, dass [den Böblingern] die Wegesleitung in der Wohnung ihnen auffiel: man muss seltenst einen rechten Winkel beschreiten. Räume drehen sich einem zu, Türen öffnen sich wie von selbst – oder verstecken sich, wenn die Räume hinter ihnen Privates
    bergen. Dabei gäbe es durchaus 90° – die Schränke sind nunmal so. Aber nicht bildbeherrschend.

    …Die Häuser entsprechen heute weitestgehend der Urfassung. Scharoun war sicher farbenfreudig, davon zeugen beispielsweise die Philharmonie in Berlin oder die Schulen, die er entworfen hat. Aber den Bewohnern zwang er seinen Farbwillen nicht auf.

  5. Eva Klotmann 21.07.2019 07:28

    „Er hat an alles gedacht“, im Programm-Magazin der Volkshochschule Böblingen:

    …Leise gleitet die Schiebetür beiseite und öffnet den Blick auf das helle Foyer, in dem der Besucher auf Briefkästen und eine Klingelanlage im Stil der 1960er-Jahre trifft. Das Böblinger Hochhaus „Orplid“ von Hans Scharoun hält innen sofort, was es von außen verspricht: Vermitteln Bullaugenfenster, Laubengänge, verglaster Treppenhausvorbau und Lichtschaufelbalkone dem Betrachter einen lichten und unkonventionellen Eindruck, bestätigt sich dieser beim Durchstreifen der Flure und Besichtigen der Wohnungen. „Auf vielfach gebrochenem Grundriss gliederte Scharoun die Baumassen so gekonnt, dass zu keiner Zeit Monotonie aufkommt. Von jeder Position aus bietet das Gebäude eine andere Ansicht“, schreibt die Historikerin Susanne Schmidt auf http://www.zeitreise-bb.de...
    „Beim Tapezieren kann das bisweilen mühsam sein“, gesteht Anna Kontny, die seit 1993 hier wohnt und seit 2002 mit ihrem Mann den Hausmeisterservice im Hochhaus betreibt. Missen möchte sie ihr „Orplid“ jedoch keinesfalls. „Wir sind alle stolz, hier zu wohnen“, erklärt sie. 178 Menschen leben im Orplid, das von der Einzimmerwohnung bis hin zum 225 Quadratmeter-Penthouse mit Panorama-Fenstern alles bietet.
    Wer im Gebäude unterwegs ist, erkennt schnell, dass die Idee des Architekten, hier echte Nachbarschaften zu ermöglichen, auch heute noch funktioniert. Ob die Architektur hierbei eine Rolle spielt? „Ich weiß es nicht“, meint Anna Kontny. Klar ist aber, dass man sich im Haus abmeldet, wenn man in den Urlaub fährt, dass man sich im Aufzug unterhält und Fremde fragt, wer sie sind. Ursprünglich sei im Foyer sogar eine Empfangstheke mit Portier geplant gewesen, so Kontny, die jedoch nicht verwirklicht worden sei. Ein Stammtisch im Zweiwochenrhythmus in einem nahe gelegenen Restaurant lockt jedes Mal um die zehn Bewohner an, und zum Sommerfest kommen regelmäßig auch ehemalige Bewohner des Orplid. Eine Art Warteliste von Interessenten, die unbedingt eine Wohnung in dem Hochhaus erwerben möchten, zeugt zudem von der Beliebtheit des Bauwerks.
    …„Die Wohnungen sind äußerst individuell ausgestattet, wobei sich das Architektenteam nach den Wünschen der ersten Eigentümer der Wohnungen gerichtet hat. Es gab Wohnungen, bei denen sogar die Möblierung mitentworfen wurde und welche, die nur als Hülle dienten“, berichtet die Architektin. Bemerkenswert sei das Platzmanagement: Teils gebe es Staufächer als abgehängte Decke in den Fluren. Besonderen Wert legte Scharoun laut Nagel auf die Verbindung der Wohnungen mit dem Umfeld bei gleichzeitigem größtem Schutz der Privatsphäre. „Die Bewohner können sich unbehelligt auf den Balkonen aufhalten und fühlen sich durch die Raumwirkung der sich öffnenden Räume (trapezförmige Grundisse) immer in das (grüne) Umfeld eingebunden“, erklärt sie. Kurze Wege in kompakten Grundrissen, sinnvolle Zusammenhänge für den Wohnprozess (z.B. Verbindung Küche – Essplatz) und die Vielfalt der Blicke charakterisieren die Wohnungen, so Nagel.
    Im Orplid bewies Scharoun ebenso praktische Umsicht, was die Ausstattung angeht: „Die großen Wohnungen haben einen Abstellraum und in allen Wohnungen ab zwei Zimmern sind Bad und WC getrennt“, informiert Kontny. Eine Autowaschanlage in der Tiefgarage und eine Waschküche mit Wasch-, Mangel und Trockenservice für die Bewohner stammen ebenfalls noch aus der Ursprungskonzeption. „Scharoun hat an alles gedacht“, resümiert Anna Kontny.

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