Wohnquartier „Rauher Kapf“, Böblingen

6 Wohnhäuser, Ladenzentrum und Tiefgarage; Taunusstr. 52-70, Böblingen bei Stuttgart.

Partnerarchitekt Philipp Plötz; Projektleiter Peter-Fritz Hoffmeyer-Zlotnik; Bauleiter Kurt Storm, Stuttgart.

(2) Kommentare zum Beitrag “Wohnquartier „Rauher Kapf“, Böblingen”

  1. admin 21.06.2016 03:16

    Zur Geschichte der Siedlung: http://www.boeblingen.de

  2. Dimitri Suchin 21.07.2019 07:19

    Aus einem Interview im Programm-Magazin der VHS Böblingen:

    …Es ist mir nichts von einem Wettbewerb bekannt… [Nach] „Leere Vasen“, was 1962 sein erster Entwurf für Böblingen war, der aber nicht verwirklicht wurde, kam die Anlage auf dem Rauhen Kapf. Hier war die Stadt die Auftraggeberin. Sie suchte damals die IBM-Labore für sich zu gewinnen und lockte mit ausgefallenen und auffällig guten Wohnungen für die Mitarbeiter. So kam man wohl zueinander. Der Grundstein
    wurde 1964 gelegt, 1966 war man fertig – und schritt zu „Orplid“ über.

    …Als ausgeprägte Merkmale [des organhaften Bauens] können Sie die Lichtschaufel-Balkone und die Gemeinschaftseinrichtungen
    sehen… die Ladenzeile. Hier wie da sollten die Bewohner sich treffen, sich austauschen können – eben Nachbarn sein, statt Nebeneinander-Bewohner. Und gleichzeitig sich zurückziehen können, fast wie in einem Einfamilienhäuschen: Balkone sind nicht einsehbar, sind keine Alibi-
    Austritte, sondern echte, nutzbare, funktionale Außenräume.

    …Ich könnte mir vorstellen, dass die Wegesleitung [den Böblingern] in der Wohnung auffiel: man muss seltenst einen rechten Winkel beschreiten. Räume drehen sich einem zu, Türen öffnen sich wie von selbst – oder verstecken sich, wenn die Räume hinter ihnen Privates
    bergen. Dabei gäbe es durchaus 90° – die Schränke sind nunmal so. Aber nicht bildbeherrschend.

    …Die Häuser entsprechen heute weitestgehend der Urfassung. Scharoun war sicher farbenfreudig, davon zeugen beispielsweise die Philharmonie in Berlin oder die Schulen, die er entworfen hat. Aber den Bewohnern zwang er seinen Farbwillen nicht auf.

    „[Der] Rauhe Kapf ist die zugleich subtilste und am schwersten zu fotografierende Wohnanlage Scharouns. Ein Meisterwerk der Untertreibung, in vielerlei Hinsicht recht frei, aber dennoch erstaunlich vornehm.“ (Peter Blundell Jones). Erschließen sich manche Merkmale erst auf den zweiten oder dritten Blick? (Eva Klotmann)
    – Das tun sie durchaus – nur sollte es ein menschlicher Blick sein und nicht die Kameralinse. Photographierbar – und somit publizierbar – sind [Scharouns] Bauten tatsächlich schlecht. Er setzt auf Bewegung, auf das Auf und Ab, auf den Menschen im Raum – da starrt eine einäugige Maschine auf einen fixen Punkt. Da fluchtet die klassische Perspektive – hier wandert der moderne Piranesi, „zwangsläufig und zwangsfrei“. Entdeckt Neues – mitunter auch auf dem dreiunddreißigsten Blick.

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