Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin

Weiterbearbeitung des Wettbewerbsentwurfes 228 (Künstlergästehaus siehe Werkverzeichnis 235).

Bauplatz Potsdamer Straße 33, Berlin-Tiergarten

Projektleiter Edgar Wisniewski (ab 1973 auch als Entwurfsarchitekt in Nachfolge Hans Scharouns); Garten- und Landschaftsgestaltung: Hermann Mattern, Günter Nagel; Berater: Hermann Fehling.

Teil des Kulturforums mit Museen für europäische Kunst, Konzerthaus des Berliner Philharmonischen Orchesters (Werkverzeichnis 222), ihr Kammermusiksaal (Werkverzeichnis 246) und Musikinstrumentenmuseum (Werkverzeichnis 247).

(2) Kommentare zum Beitrag “Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin”

  1. Dimitri Suchin 19.06.2000 07:19

    Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz

    Bevor ich nach Berlin kam, kannte ich den Namen Scharoun nicht. Auch in der Hochschule wurde er nicht weiter vorgestellt. Es war ein Zufall.
    Es wäre töricht zu erwarten, Architektur wäre frei von Moden. Während meiner Grundsemester lag die Tugend darin, alles in geometrisch einfache Körper zu stecken. Hatte man einen Würfel oder Zylinder als Grundform, waren Gegenargumente keiner Rede wert. Wer es schaffte, gleich mehrere Häuser mit einem kühnen Schwung zu umfassen, konnte des Sieges sicher sein. Andere wiederum erfanden Geschichten, die dann Grundrisse ergaben. Dritte glaubten an “form follows function”, jedoch verkrüppelt: Schönes demnach entstehe bereits, wenn Funktion erfüllt wird. Hier wird eine Gebäudebeschreibung gerne auf die Aufzählung seiner technischen Details reduziert. Als würde es auch einen einzigen Hausbewohner interessieren!
    Ich aber wollte Häuser entwerfen, die sowohl den Zweck erfüllten, als auch dem Besucher von diesem Zweck etwas zu erzählen wußten. Denen weder ein fremdes Sujet, noch eine geometrische Zwangsjacke verpaßt wird. Die Gemeinschaftssinn im Kopf haben… Doch wie?
    Da kam mir zur Hilfe, daß ich irgendwann seltene Bücher brauchte. Ich wurde an die Staatsbibliothek verwiesen, wo Berliner Gesamtkatalog stand. Fuhr zum Kulturforum, betrat die Bibliothek und… da war es um mich geschehen.

    Berlin hat zwei Staatsbibliotheken, kriegsbedingt.
    Zur größeren Sicherheit wurden die Bänder aus Unter den Linden №8 ausgelagert. Nicht alle kehrten heim: die nach Schlesien verbrachten Bücher bildeten dort den Grundstock für neue Bibliotheken, im Westdeutschland ging man lange mit der Idee einer “Westdeutschen Bibliothek” um… Als 1962 feststand, daß die Tübinger und Marburger Depots aufgelöst werden, war die Rückkehr nach Unter den Linden bereits unmöglich — seit 1961 stand dem die Mauer im Wege.
    Alle waren sich einig, daß eine nationale Bibliothek einer würdigen Unterbringung bedarf. Und da alle Bestandsnutzungsvorschläge (z.B. Kasernen in Lankwitz) dem nicht entsprachen, sollte ein Neubau her. Das Kulturforum bot sich an — mitten im “Kulturband” und zugleich in Sichtweite der Mauer.
    Einigen Vorentwürfen Werner Düttmanns folgte 1964 der architektonisch-städtebauliche Wettbewerb. Professor Hans Scharoun, Berlin, gewann.

    Besonderer Reiz des Entwurfs liegt darin, wie Störfaktoren zu Qualitäten umgemünzt wurden.
    Auf die geplante “Westtangente” reagiert Scharoun mit einem Bücherberg: die Autobahn verschwindet hinter dem Magazin. Der langgestreckte Bauplatz (bedingt durch die Autobahn-Abfahrten) wird zum “Weg des Buches”, einem internen Kommunikationgrat mit Einkauf-, Katalog- und Restaurierungs-Abteilungen. Die immensen Lesesaalflächen werden zu Balkonen und Terrassen, sodaß trotz des beachtlichen Fassungsvermögens kein “Massenbetrieb” aufkommt. Dieselben Lesesaal-Terrassen reichen auch dem autarken Viereck der Mies´schen Galerie des XX. Jahrhunderts die Hand.
    Das Gästehaus sollte die Bibliothekshänge auf der anderen Straßenseite wiederaufleben lassen, wenn auch im kleineren Maßstab. Klein wie der war, machte ihn sein Fehlen zum Schlußstein.

    Der Grundstein wurde am 10. Oktober 1967 gelegt, am 15. Dezember 1978 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Hans Scharoun starb, als gerade der Direktionsflügel im Norden fertig war, die Arbeit wurde vom Edgar Wisniewski fortgeführt.

    (von einer inzwischen abgeschalteten Homepage)

  2. admin 21.06.2016 03:01

    Die Staatsbibliothek gibt es auch als Kissen von Sandra Siewert.

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