Akademie der Künste in Sorge um Hans-Scharoun-Bau; Deutschlandfunk befragt Professor Dr. Sauerbruch; Tagesspiegel findet eine offene Baustelle vor.

„…Teile des Hauses und große Abschnitte des Gartens zerstört…
„…Von einem Versuch der behutsamen Anpassung der historischen Substanz an zeitgenössische Bedürfnisse … kann nicht mehr gesprochen werden…
„…allumfassende(…) Wiederherstellung und unbedingte(…) Erhaltung des Baudenkmals…

Am 20.11.2020 beobachtet die Berliner Akademie der Künste mit diesen Worten die Vorgänge am Hause Baensch in Berlin-Spandau, von denen wir bereits im Juli berichteten. In der Kommentarsektion unseres Beitrages finden Sie auch weiterhin aktuelle Neuigkeiten zum Haus.

Die Berliner Presse war uns trotz wochenlanger Mühen für eine Veröffentlichung nicht zu gewinnen, mit einer ehrenrettenden Ausnahme. Kein Vergleich zur Akademie: nur ein Tag nach Erscheinen der Pressemitteilung interviewte Katja Lückert den Leiter der Sektion Baukunst, Professor Dr. Matthias Sauerbruch, einen weiteren Tag später wurde bereits ausgestrahlt.

Seine Worte teilen wir vorbehaltlos: einzig in neuen Händen und unter engster wissenschaftlicher Begleitung hat hat Haus Baensch eine Zukunft.
Gerne auch mit unserer Unterstützung.
Interessenten willkommen!


Ergänzung 27.11.2020: Der Tagesspiegel entsandte am 25. November einen Reporter, der eine unverschlossene Baustelle und einen wortkargen Betonbauer vorfand. Sein Beitrag erschien am Folgetage und sammelte bis dato 10 Kommentare (in Auszügen):

Spandauer2605, 27.11.2020 16:28 Uhr
Was sollen immer diese Verniedlichungen? Was dort passiert ist kein Malheur, eher eine Sauerei ersten Grades…

Wilfried Wang, 27.11.2020 16:56 Uhr
Das Vorhaben samt Unterkellerung und Anbau ist ein Skandal ersten Ranges. Wie eine Eigentümerin davon ausgehen konnte, bzw. kann, mit einer derartig drastischen Veränderungen eines Denkmals durchzukommen, ist mir schleierhaft. Hier muss alles zurück in den ursprünglichen Zustand, ohne Unterkellerung und ohne Anbau. Das Ganze Vorhaben wird der Eigentümerin viel Geld kosten…

sam07, 27.11.2020 17:07 Uhr
…einen von Karl Förster angelegten Garten zu zerstören zeugt von der Einfalt der Besitzerin… Müssen erst wieder Bücher verbrannt werden?

BRCI, 27.11.2020 17:19 Uhr
Wenn Geld und Unverfrorenheit das Klima in der Gesellschaft dominieren, dann hat man diese Ergebnisse… Der zuständige Stadtrat Bewig (CDU) sollte zu derartigen Vorgängen mal Stellung nehmen.

moracus, 27.11.2020 17:28 Uhr
Auch wenn ich den gesamten Vorgang ebenfalls sehr skandalös finde, so sind drastische Veränderungen an Baudenkmälern in Berlin nichts Ungewöhnliches… Ich vermute, ein Rückbau ist in derartigen Fällen kaum zu erwarten – Denkmalschutz gibt es heute wohl nur noch in äußerst homöopathischen Dosen.

carnet, 27.11.2020 17:28 Uhr
…wer hält die Hand über diesen Bauherren?

heiko61, 27.11.2020 17:58 Uhr
Wie tief will Berlins Verwaltung eigentlich noch sinken? Diese Riesensauerei verlangt nach sofortigen personellen Konsequenzen und natürlich nach der vollständigen Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes auf Kosten der oder des Verantwortlichen für diesen ungeheuerlichen Frevel!

mackie, 27.11.2020 18:49 Uhr
Ist ein denkmalgeschützter Bau ein Museum? Jegliche Änderung daran sind ein Tabu? Wenn die Gesellschaft das will sollte sie auch bezahlen. Ansonsten hat der Eigentümer doch auch sein Eigentümerrecht in gewissem Rahmen die Dinge nach seinem Gusto zu gestalten. Es ist doch immer wieder augenfällig wie naseweishaft sich Leute über Dinge äußern ohne konkretes Hintergrundwissen zu haben. Ich entnehme dem Artikel hauptsächlich Vermutungen.

Hier hätten wir viel entgegenzustellen — sehr wohl ging es den Behörden darum, im denkmalgeschützten Haus ein modernes Wohnen zu ermöglichen, darum ein Entgegenkommen bei der Baumasse und den Baugrenzen; den „gewissen Rahmen“ haben die Eigner mehrfach und erheblich verletzt — darum die Stillegungen und letztlich eine Versiegelung der Baustelle. Doch man kam uns zuvor:

Auch-das-noch, 27.11.2020 19:05 Uhr
„Es ist doch immer wieder augenfällig wie naseweishaft sich Leute über Dinge äußern ohne konkretes Hintergrundwissen zu haben.“
Jo! Und Sie sind vorne mit dabei!
„Ist ein denkmalgeschützter Bau ein Museum? Jegliche Änderung daran sind ein Tabu?“
Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude kauft, weis um die Auflagen. Und es gibt diese Auflagen aus gutem Grund. Die Gesellschaft hat die jetzigen Eigentümer sicher nicht gezwungen gerade dieses Haus zu kaufen.

Wir bleiben dran!

Haus Schminke aufs Smartphone

Auf der Crowdfunding-Plattform StartNext ist eine Sammelaktion des Hauses Schminke angelaufen: ein neuer Multimedia-Guide für das Haus muß her! Auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Polnisch und auch ohne Ton, fürs eigene Smartphone zugeschnitten.

„Wir sind der Meinung, dass Architektur lebendig und aufregend sein kann – wenn man sie nicht nur erklärt, sondern erzählt. Aus diesem Grund brauchen wir moderne Formate der Architektur- und Denkmalvermittlung. Ohne Fachjargon und Filzpantoffeln… Der Nudeldampfer hat noch viel zu erzählen. Wir möchten seine Geschichte mit möglichst vielen Menschen teilen.

Seit fast drei Jahren arbeitet die Mannschaft des Hauses am diesem Projekt. Nun ist er fast fertig — doch Corona-bedingt entstand trotz aller Förderung ein Engpaß. Darum diese Aktion.

Und was gibt es alles für Preise! (wir haben uns schon ein Paar gesichert)

Aus dem Magistratssaal

Am 10. September 2020 traf sich im ehemaligen Magistratssaal des Rathauses Charlottenburg (heute Minna-Cauer-Saal) die bezirkliche Gedenktafelkommission zu ihrer 14. Sitzung. Punkt 5 auf der Tagesordnung: „Gedenktafel Lazlo Moholy-Nagy, Sachvortrag Suchin“.

Wir erinnern uns: im Oktober des Bauhaus-Jubiläumsjahres 2019 stellte die Scharoun-Gesellschaft bei der Historischen Kommission den Antrag, Bauhausmeister der Metallwerkstatt und Leiter des Bauhaus-Vorkurses Laszlo Moholy-Nagy in Berlin zu ehren. Nach seinem Weggang aus Dessau lebte und arbeitete er 1929—1934 in der Fredericiastr. 27 in Berlin-Westend.
Die Geschichte seines Aufenthalts listet unsere Seite auf, davon abgesehen gibt es in Berlin keine Platte, keine Stele, kein Stein und keine Gasse, die den weltberühmten Namen würdigt.

Der Antrag wurde im März 2020 ohne Begründung abgelehnt.

Anders der Bezirk: in der kurzen Beratung gab es eigentlich nur 3 Randvermerke.
Die eine Teilnehmerin zweifelte nicht an der Bedeutung Moholy-Nagys, müßte aber überzeugt werden, daß der Moment der Ehrung der richtige sei.
Die andere gab hinzu, auch der Lucia Moholy-Nagy zu gedenken: sie, eine Künstlerin von eigener Bedeutung, lebte aber bereits von ihrem Gatten getrennt, erst in der Spichernstr., dann am Lietzenseeufer.
Schließlich kam der Vorschlag, die Geschichte Moholy-Nagys ohne zu warten in BerlinHistoryApp einzupflegen.

Die anschließende Abstimmung war geschlossen zugunsten der angestrebten Tafel. Auch die Hauseigentümerin sprach sich inzwischen dafür aus.
Über das Aussehen, die Inschrift und die Erstellung der Tafel muß noch entschieden werden.

Denkmal für die Opfer des Faschismus, Berlin

Am 9, September 1945, einem Sonntag, ehrte Groß-Berlin mit einer Großveranstaltung die Verfolgten des Naziregimes. 30 Prozessionen aus allen Stadtteilen zogen zur „Werner-Seelenbinder-Kampfbahn“, dem frisch umbenannten Stadion Neukölln (davor als Sportpark Tempelhofer Feld bekannt). Dort auf einem der Grasfelder (vermutlich auf Platz 3) wurde binnen weniger Tage eine dreiteilige Holzkonstruktion aufgestellt, bestehend aus einem übergroßen roten Dreieck und Schiedwänden links und rechts davon. Die letzteren trugen die Inschrift „Die Toten mahnen die Lebenden“, dazu je 7 Fahnen; Berlin, Tschechoslowakei, Polen…

Bauplatz Oderstr.

Nicht erhalten.

Haus Schmidt, Buch

Studienarbeit, in 4 Varianten überliefert.

Nicht verwirklicht.