Nachverdichtung beim Denkmalschutz?

Bewohner von Charlottenburg-Nord hatten in letzten Jahren einiges durchzumachen: den Reparaturstau, den An- und Verkauf ihrer Häuser, die fortschreitende Verwahrlosung der einst so durchdachten Freianlagen, die Vermüllung usw. usf. Es mangelte nicht an Vorschlägen der Eigeninitiative — stets abgeblockt mit berechtigtem Hinweis, auf dem Gelände eines Baudenkmals dürfe keine Eigenmächtigkeit walten. Erst seit wenigen Jahren gab es neue Hoffnungen — an einigen Hauseingängen verbindet sich nunmehr alte Optik mit neuzeitiger Sicherheit, einige Aufzüge wurden repariert, Dächer neu gedeckt. Die Infostation am Goebelplatz ward dem eine sichtbare Verkörperung.
Dann aber kam der Mai lehrte die Bewohner ausgerechnet über sozialen Netzen, man habe über ihre Köpfe hinweg vor ihrer Haustür ein Baufeld abgezirkelt.

Den südlichen Eingang zur Siedlung machten bisher eine Telephon-Vermittlungsstelle und eine Tankstelle aus. Banale Architekturen, niedrig genug um den Blick von und zu Wohngehöften über sich gleiten zu lassen. So entstand auch hier eine für Scharouns Handschrift so typische trichterförmige Anlage — die nun, so glaubte man, mit dem bevorstehenden Neubau auf der Stelle des entbehrlich gewordenem Telekom-Baus, verbaut werde.
Doch weit gefehlt!

Panorama von Charlottenburg-Nord von der Rudolf-Wissell-Brücke, links die Vermittlungsstelle, im ersten Hochhaus das Atelier Scharouns; Luftblick vom Wohngehöft in den Letterhausweg, die Tankstelle ist noch nicht erbaut, rechts die Vermittlungsstelle: Scharoun am Fenster des Ateliers (aus einem Film von Radio Bremen).

Heutiger Blick in den Letterhausweg zu den Wohngehöften.

Ein Neubauriegel schiebt sich auf den Betriebshof zwischen der Vermittlungsstelle und dem Nachbarhaus, fast vor die Fenster des Scharoun-Ateliers — als hätte es den Schutzstatut nicht gegeben. Mit dem Bestand auf dem Grundstück geht er keine Verbindung ein. Kein Aufheben des Schutzes, keine Eigenmächtigkeit — diese ausgeprägte Tristesse mit halbherzigem Rot und Sockel-Rustika sei die Frucht der engen Abstimmung mit der bezirklichen Denkmalbehörde und dem Landesdenkmalamt.
Wie mag nur die Ausgangsvariante ausgesehen haben, von der man hierhin gelang?
War dies der Preis für den Erhalt des ex-Telekom-Baus?

Westansicht des Neubaus eines privaten Studentenheims. Ostseite analog.

Vom Amt wird uns (nicht den Anrainern, die teils Mieter, teils Eigentümer ihrer Wohnungen sind und nach gängiger Rechtsprechung bei der Erteilung der Baugenehmigung mehr als ein Wort mitzureden hatten) erläutert, die Bauten der Siedlung wären „erheblich verändert“, der Denkmalbereich „gestört“ und „unter einem durchgehend starken Veränderungsdruck von Seiten der Bewohner und Eigentümer“. Man gibt zu, Bedenken gehabt zu haben. Aber: „…der tieferliegende Hofraum der ehemaligen Postvermittlungsstelle [zähle] nicht zu den prägenden Frei- und Grünräumen der Wohnanlage… das Bauvorhaben [sei] in Kubatur und v.a. Höhe in das Umfeld eingepasst… Es ist nicht davon auszugehen, dass damit eine wesentliche Beeinträchtigung der Denkmaleigenschaft der Gesamtanlage verbunden ist.“

Mit dem Baugedanken Scharouns oder anderer Architekten der Großsiedlung hat der Entwurf kaum etwas zu tun Er führt weder fort, noch interpretiert er, nur die Höhe und die Tiefe leiht sich der Bau von seinen Nachbarn. Doch die angesprochene Einpassung ist mehr als ein Spiel mit den Klötzchen!
Zur Störung der Blickbeziehungen, die vom Neubau ausgehen, oder zur nicht mehr rückgängig zu machenden Veränderung der Gebäudetaktung wird keine Stellung genommen. Eine Auflistung jener Veränderungen und weswegen sie nicht zurückgenommen werden können, bekommt man auch auf Nachfrage nicht. Auch nicht die Antwort auf die Frage, warum man jenen Veränderungen so lange tatenlos zuschaute, bis sie die Qualität der Anlage zersetzten. Noch weniger, wie der nunmehr zementierte Zustand der permanenten Störung damit in Einklang zu bringen ist, ausgerechnet Charlottenburg-Nord zusammen mit ausgewählten anderen Werken Scharouns für die Welterbe-Liste vorzuschlagen.
Schließlich sei die Frage erlaubt, ob so eine Entscheidung nicht ein Präzedenzfall für weitere „Nachverdichtungen“ sein wird, auf weiteren für „nicht prägend“ gehaltenen „tieferliegenden Hofräumen“?

Ausschnitt aus der Denkmalkarte Berlins

Denkmalschutz, schreiben nun die Bürger ihren Ämtern (Briefe liegen uns vor), bedeute „durch Gesetze sichergestellten Schutz von Boden, Bau- und Kulturdenkmälern“. Abwägen soll man dabei, Alternativen erörtern um letztlich Maßnahmen ergreifen zu können, die die Schutzgüter bei Wahrung ihrer Art in die Neuzeit überführen — die nun erlebte Geheimkrämerei aber erweckt den Eindruck, man wäre im Amt von der Richtigkeit des eigenen Tuns in keinster Weise überzeugt.
„Letztlich bleibt wohltuend zu registrieren, dass sich hier [daraus] Widerstand formiert und die Menschen zusammenrücken“, sich für ihr Recht und für unsere Denkmäler engagieren.


Diese Meldung ging im Mai 2021 an den „Tagesspiegel“, die „Berliner Morgenpost“, die „Berliner Zeitung“, den „Rundfunk Berlin-Brandenburg“, die „Bauwelt“, die „db Deutsche Bauzeitung“, und die elektronischen Magazine „Marlowes“, „moderneRegional“.
Keine einzige Redaktion meldete sich zurück.

Vertippt

In der Berliner Stadtillustrierten „tip“ schreibt Jacel Śląski über die Architekten der Moderne in Berlin. Ein Rundumschlag — oder ein Selbstverstümmelung in Serie.

Beginnt mit „Zum Ende des 19. Jahrhunderts, begannen Architekten, das alte preußische Erbe abzustreifen.“ — als ob jenes „preußische Erbe“ etwas rückwärtiges wäre. Der preußischen Klassik waren Behrens, Mies oder andere zeitlebens verbinden, preußisch-bunt war unser Scharoun.

Nimmt als ersten sich Peter Behrens vor, mit der AEG-Turbinenhalle als „sachliche[r] Architektur, die klar den Zweck des Bauwerks betonte und sich vom parallel entstandenen Expressionismus abgrenzte.“ Es müßte sich aber bereits herumgesprochen haben, daß jene Maschinenhalle weder sachlich, noch konstruktiv richtig sei, sondern einzig auf den Ausdruck (=Expression) gebaut: die optisch schweren Teile werden getragen, die leichten sind die Tragenden usw.
Weiter werden ihm „mehrere U-Bahnhöfe der Linie 8“ zugerechnet — es gehen zwar ganze zwei Stationen der U8, „Voltastraße“ und „Bernauer Str.“ auf ihn zurück, doch sind es bereits sprachlich keine „mehrere“.

Hans Poelzig wird zitiert, er soll „das im Krieg zerstörte Große Schauspielhaus um[gebaut haben]“ — von Kriegshandlungen in Berlin in 1918 (Umbaubeginn des vormaligen Zirkus) wußte die Welt noch nichts.
Die Zehlendorfer Siedlung am Fischtalgrund „entstand nach Poelzigs Plänen“ und soll eine „moderne“ sein — tatsächlich war es eine ausgesprochen anti-moderne Anlage, ein Riegel vor und ein Manifest gegen die Onkel-Tom-Siedlung. Ihr Gesamtentwerfer war Tessenow, von Poelzig ist da nur ein Häuschen.

Bei Bruno Tauts Hufeisensiedlung sollten die „Bewohner… aus mittleren und unteren sozialen Schichten“ gekommen sein — das war tatsächlich die Intention, die Realität aber war eine ganz andere. Die nicht unerheblichen Mieten sorgten für eine soziale Auslese — wie auch der Bauart, etwa der Reihenhäuser.

Ganz anders bei Walter Gropius. Der ihm gewidmete Abschnitt beginnt mit der charakteristischen Fassade des „Panzerkreuzers“ in der Großsiedlung Siemensstadt, und zieht fort, „Ein herausragendes Beispiel für Bauhaus-Architektur und das neue Bauen in Berlin ist die von Walter Gropius konzipierte Großsiedlung Siemensstadt, die zwischen 1929 und 1931 errichtet wurde und sich rund um den Goebelplatz in Charlottenburg-Nord befindet.“ Hier ist jedes Wort falsch:

  • die Siemensstadt ist keine „Bauhaus-Architektur“, den größten Anteil daran haben Architekten, die am Bauhaus ausgesprochen nicht willkommen waren,
  • der Entwurf der Siedlung ist von Martin Wagner und Hans Scharoun (federführend), auch das abgebildete Haus ist von ihm, Gropius dagegen baute nur ein Riegel am Jungfernheideweg,
  • Am Goebelplatz steht nur ein einziges Haus der „Ringsiedlung Siemensstadt“, und zwar von Fred Forbat. Desweiteren spätere, nicht zur Moderne zählende Bauabschnitte, sowie die Bauten von „Charlottenburg-Nord„.

Martin Wagner wird im Test nicht nur seiner städtebaulichen Leistungen beraubt, auch sein Strandbad Wannsee wird zum „Umbau“ degradiert. Seinen Vorgänger zu nennen, wird schwierig sein.

Bei Erich Mendelsohns „Schaubühne“ wird in der Bildunterschrift fast schamhaft angemerkt, „Jürgen Sawade [habe das Gebäude] wiederhergestellt“. Erzänzenswert wäre. „…nachdem er sie abriß.“

Die „viele… leer stehen[de]“ Wohnungen im Le-Corbusier-Haus sind überraschend, weil bisher nirgends in Erscheinung getreten. Zumal es Eigentumswohnungen sind.

So kommen wir zum Hans Scharoun. Man beginnt mit seinem Laubenganghaus — und rechnet diesen der benachbarten „Großsiedlung Siemensstadt“ zu.
Von seiner Rolle darin steht nur „beteiligt“, sein Tun wird den „Nachkriegsjahren“ zugerechnet. Wobei darin die Mehringplatz-Bebauung auf das „AOK-Hauptgebäude“ reduziert wird.
Vor dem Krieg aber soll sich Scharoun „für den Expressionismus… interessiert“ haben und „lehnte den Rationalismus… ab“ „indem er auch die sozialen Aspekte in die Konzeption seiner Gebäude mit einbezog“. Man möchte fragen, was denn an der Einbeziehung des Sozialen denn antifunktionalistisch wäre — baut ein Architekt denn keine Häuser für das Sozium? Ist das Ignorieren der Nutzerbelange funktional? Es ist ein gemeiner Platz, Scharoun als den letzten Expressionisten zu bezeichnen, auch und gerade wegen seiner Philharmonie. Aber auch an den frühen Entwürfen, etwa am „Börsenhof„, ist er expressiv — und rational.
„Seine stadtplanerischen Konzepte prägen Berlin bis heute“, schließt der Autor. Ein Wunschtraum, dem wir uns gern anschließen.

Rudolf Salvisberg ist dagegen fehlerfrei. Auch bei Otto Bartning kann man der Ausführungen des Autors weitgehend zustimmen. Mies van der Rohe wird auch eine sorgfältigere Recherche verdient haben. Wie Konrad Wachsmann.

Unser Brief an die Redaktion mit der Bitte um Richtigstellung blieb ohne Antwort.

Gedenktafel soll an Bauhaus-Lehrer erinnern

Im Tagesspiegel-Newsletter für Charlottenburg berichtet Cay Dobberke von unseren Plänen, Laszlo Moholy-Nagy mit einer Gedenktafel an seinem Atelier zu ehren. Bis auf die Historische Kommission waren bisher alle dafür — doch nahm uns der Virus fast alle Möglichkeiten, für das Vorhaben zu werben. Die Finanzierung — bleibt weiterhin ein Traum. Und wo keine Mittel, da auch kein Entwurf.

Erfahrungsgemäß betragen die Herstellungskosten für Gedenktafeln etwa 3000 Euro. Wir bitten um Spenden — gerne auch Sachspenden in Form von Entwürfen — auf unser Vereinskonto DE18 1001 0010 0059 3811 06, Stichwort „Moholy-Nagy“.

Promemoria zur „Kulturscheune“

Die bevorstehende Wiedereröffnung der mustergültig sanierten Neuen Nationalgalerie Mies van der Rohes Ende April 2021 zwingt uns geradezu, last minute noch einmal über die nachteiligen Folgen nachzudenken, die die Errichtung der sogenannten „Kulturscheune“ für diese Ikone der Weltarchitektur und für Scharouns gleichermaßen herausragendes, jedoch bis heute unvollendetes Berliner Kulturforum haben wird.

Auch wenn der kulturpolitisch lang ersehnte Zug eines Museumsneubaus de facto schon abgefahren ist, kann und muss man ihn noch aufhalten und auf ein anderes Gleis umleiten, wenn ein Unfall droht. Tatsächlich stehen viele Signale auf Rot:

Es geht nicht nur um Zweifel, ob der Entwurf des Museums der Kunst des 20. Jahrhunderts, dessen Baugrube seit Dezember 2020 ausgehoben wird, baukünstlerisch den hohen Maßstäben seiner prominenten Nachbarn gerecht wird. Schwerer wiegen die von Anbeginn vorgetragenen Bedenken, dass der Standort an der Potsdamer Strasse, wie SPK-Präsident Parzinger 2013 selbst befürchtete, für die Kommunikation innerhalb des Museumsclusters der drei Galerien am Kulturforum dysfunktional ist und bleibt (leider hat er sich den Wünschen der Stifter und der zu schnellem Handeln entschlossenen Kulturstaatsministerin beugen müssen).

Beunruhigend ist der unseriöse Anstieg der Baukosten auf mehr als das Doppelte der ursprünglich bewilligten 200 Millionen Euro als Zwischenstand noch vor Baubeginn – bei gleichzeitiger Reduktion der Nutzfläche (eine Ohrfeige für alle, die im Wettbewerb ihr Projekt spartanisch kalkuliert hatten und auch für alle, die wünschenswerte kulturelle Investitionen angesichts der horrenden pandemiebedingten Staatsverschuldung gegen konkurrierende gesellschaftliche Interessen glaubwürdig verteidigen wollen).

Alarmierend erscheint angesichts der aktuellen ernsthaften Versuche der Bundesregierung zur Eindämmung der CO-2-Emissionen auf dem Gebiet der Gebäudeeffizienz, dass der überdimensionierte Neubau aufgrund seiner rhetorisch überhöhten Raumverschwendung in Form gewaltiger leerer Passagen und seiner spezifischen Bauweise nach der Einschätzung des Bundesrechnungshofs als hochgradige Energieschleuder eingestuft wurde und damit den Gefahren des Klimawandels nicht gerecht werden wird. Darf man einen solchen Bau der Öffentlichen Hand (den auch hektische Nachbesserungen diesbezüglich wohl kaum werden retten können) sehenden Auges heute noch verantworten?

Inakzeptabel bleibt darüber hinaus nach wie vor, dass der monumentale Baukörper trotz seiner kostspieligen Absenkung in den Untergrund städtebaulich das denkmalgeschützte Ensemble des Kulturforums autistisch und irreversibel zublockt. Da hilft auch keine kosmetische Floskel über einen beabsichtigten „Dialog“. Kein Forum wird entstehen, vielmehr degradiert der neue Nachbar den kostbaren Bestand! Das gilt nicht nur für die mit großem finanziellen Aufwand sanierte Nationalgalerie Mies van der Rohes, deren eindrucksvoller Anblick von der Potsdamer Straße fast völlig verstellt wird, sondern auch für den von Mies einkalkulierten Ausblick auf Stülers großartige Matthäikirche und auf den Antipoden seines Kunsttempels, die Scharoun´schen Philharmonie, die regelrecht „zugemauert“ wird (übrigens ein klarer Verstoß gegen den denkmalrechtlichen Umgebungsschutz). Eine neue Online-Publikation des Architekten Stephan Braunfels „Nationalgalerie Berlin – Erweiterungsbau“ führt in erschreckenden Simulationen nicht nur die Defizite des Bauvorhabens, sondern auch einige der in der Nachfolge Scharouns vorgeschlagenen stadtbaukünstlerischen Alternativen für das Kulturforum noch einmal mahnend vor Augen.

Alea iacta est – Die Würfel sind gefallen? Alles Schnee von gestern angesichts der fortschreitenden Macht des Faktischen? Nicht, solange das Museumsprojekt optimierbar und der Patient Kulturforum noch therapierbar ist! Als langjähriger wissenschaftlicher Beobachter des Berliner Baugeschehens am Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der Technischen Universität Berlin, ehemaliger Vorsitzender des Berliner Landesdenkmalrates von 1996 bis 2009 und Förderer der Erforschung, Inwertsetzung und fachgerechten Instandsetzung der Architektur der Nachkriegsmoderne erlaube ich mir deshalb, dieses nachdenkliche Memorandum an Sie als Multiplikatoren zu verschicken und Sie zu ermutigen – wenn Sie wie viele kritische Mitstreiter*innen die genannten Bedenken teilen – im öffentlichen Diskurs auf eine Revision des umstrittenen Bauprojektes hinzuwirken. Die Architekturgeschichte kennt durchaus Fälle einer Korrektur von Fehlplanungen post festum. Die bevorstehenden Wahlen im Herbst könnten eine Zäsur für einen potenziellen baupolitischen Neustart der Verantwortlichen darstellen!

Prof. em. Dr. Adrian von Buttlar

Insterburger Photogedicht Ikuru Kuvajimas

COLTA.RU, Rußlands große unabhängige Online-Zeitschrift, veröffentlicht eine Bildstrecke des japanischen Photographen und Bruno-Taut-Forschers Ikuru Kuvajima: 2020 besuchte er bei seiner Reise in die Geburtsstadt der Taut-Brüder die „Bunte Reihe“ Hans Scharouns. Die übermalten Dias sind seine Auseinandersetzung mit den Bauten und ihren Bewohnern.

Erstmals wird im Beitrag der volle Wortlaut des „Aufrufes zum farbigen Bauen“ auf Russisch wiedergegeben (Übersetzung von D.Suchin).

„Die vergangenen Jahrzehnte haben durch ihre rein technische und wissenschaftliche Betonung die optische Sinnenfreude getötet. Grau in graue Steinkästen traten an die Stelle farbiger und bemalter Häuser. Die durch Jahrhunderte gepflegte Tradition der Farbe versank in dem Begriff einer „Vornehmheit“, der aber nichts anderes ist, als Mattheit und Unfähigkeit, das neben der Form wesentliche Kunstmittel im Bauen, nämlich die Farbe, anzuwenden. Das Publikum hat heute Angst vor dem farbigen Haus und vergißt, daß die Zeit nicht so lange her ist, in der die Architekten keine schmutzigen Häuser bauen dürften und in der man kein Haus verschmutzen ließ. Wir Unterzeichneten bekennen uns zur farbigen Architektur. Wir wollen keine freudlosen Häuser mehr bauen und erbaut sehen und wollen durch dieses geschlossene Bekenntnis dem Bauherren, dem Siedler wieder Mut zur Farbenfreude am Äußeren und Inneren des Hauses geben, damit er uns in unserm Wollen unterstützt. Farbe ist nicht teuer, wie Dekoration mit Gesimsen und Plastiken, aber Farbe ist Lebensfreude und, weil sie mit geringen Mitteln zu geben ist, deshalb müssen wir gerade in der Zeit der heutigen Not bei allen Bauten, die nun einmal aufgeführt werden müssen, auf sie dringen, bei jedem einfachsten Siedlerhaus, beim Barackendorf im Wiederaufbaugebiet usw. Wir verwerfen den Verzicht auf die Farbe ganz und gar, wo ein Haus in der Natur steht. Nicht allein die grüne Sommerlandschaft, sondern gerade die Schneelandschaft des Winters verlangt dringend nach Farbe. An Stelle des schmutzig-grauen Hauses im Freien trete endlich wieder das blaue, rote, grüne, schwarze, weiße Haus in ungebrochener, leichtender Tönung. Natürlich ist die fortgesetzte Pflege mit Neuanstrich und Ausbesserung die notwendige Folge, wie es noch heute in Holland und vielen anderen Gegenden Tradition ist und einmal überall war.“

Bruno Ahrends, Walter Curt Behrendt, Peter Behrens, Hans Bernouille, Hans Robert Daniels, Wilhelm von Debschitz, Karl Elkart, Martin Elsässer, August Endell, Eugen Fink, Paul Gösch, Jakobus Göttel, Hans Grässel, Robert Greuter, Walter Gropius, Erwin Gutkind, Josef Hoffmann, A[?]. Holländer, Carl Theodor Höpker, Paul Hosch, Paul Alfred Kesseler, Paul Klopfer, Frau Otto Kurzrock, Erich Leyser, Carl Krayl, Walter Liebsch, Hans und Wassily Luckhardt, John Martens, Paul Mebes, Richard Meyer, Rudolf Mitzkeit, Bruno Möhring, Karl August Oehring, Bruno Paul, Friedrich Paulsen, Hans Poelzig, Hans Scharoun, Paul Schmitthenner, Ludwig Schrauff, Fritz Schumacher, Heinrich Strammer[?], Bruno und Max Taut, Fritz Voggenberger, Martin Wagner, Friedrich Wagner-Poltrock, Alfred Wiener, Hugo Zehder, Paul Zucker, Otto Rosencrantz, Bund Deutscher Dekorationsmaler e.V., Dr. Adolf Behne, Theodor Däubler, Ferdinand Göbel, Bernhard und Dr. Hans Kampffmeyer, Dr. Hermann Meyerm, Münchener Gesellschaft für Licht- und Farbenforschung, Dr. Karl Ernst Osthaus, Adolf Otto, Dr. John Schikowski, Dr. Josef Strzygowski, Erich Worbs

Минувшие десятилетия, ориентировавшиеся лишь на технику и экономику, погубили в строительстве усладу для глаз. Каменные короба, серые в сером, заступили на место цветных или раскрашенных домов. Столетиями хранимая традиция цветности выродилась в так называемую изысканность, по сути же — в вялость, неспособность применить наиважнейший наряду с пластикой прием строительного искусства, каковым является цвет. Публика сегодня страшится яркого дома, забывая, что совсем недавно архитекторы и помыслить не могли строить тусклые дома, а построенным домам не давали загрязниться. Мы, подписавшиеся, полностью и решительно отвергаем бесцветие. Мы не хотим более строить безрадостные дома и не хотим видеть, как их возводят другие. Мы заявляем о том, чтобы, нас услышав, застройщик и новосел вернули себе исконное право на радость цветности в домах и на домах, чтобы поддержали они нас в наших намерениях. Краска дешевле декоративных карнизов и лепнины, цвет — это воплощенная радость жизни, и недорогая притом. Оттого сегодня, в дни нужды, к ней стремиться должны все возводимые постройки, любой простейший сельский домик, любое временное поселение в зоне восстановления и т.д. Мы отвергаем отказ от цвета, особенно когда дом стоит на природе: и летняя зелень, и тем более снега зимы взывают к цветности. Вместо грязно-серого да восстанет в сиянии дом синий, красный, желтый, черный, белый! За ними придется, естественно, ухаживать, их перекрашивать и восполнять текущие утраты — как сегодня это практикуется в Голландии и других местах, а некогда было привычным повсеместно.

Бруно Арендс, Вальтер Курт Берендт, Петер Беренс, Ганс Бернулле, Ганс Роберт Даниэльс, Вильгельм фон Дебшиц, Карл Элькарт, Мартин Эльзессер, Август Эндель, Евгений Финк, Пауль Гёш, Якобус Гёттель, Ганс Грессель, Роберг Грейтер, Вальтер Гропиус, Эрвин Гуткинд, Йозеф Хоффманн, А[?]. Холлендер, Карл Теодор Хёпкер, Пауль Хош, Пауль Альфред Кесселер, Пауль Клопфер, г-жа Отто Курцрок, Эрих Лейзер, Карл Крайль, Вальтер Либш, Ганс и Василий Лукхарты, Йон Мартенс, Пауль Мебес, Рихард Мейер, Рудольф Мицкейт, Бруно Мёринг, Карл Август Ёринг, Бруно Пауль, Фридрих Паульсен, Ганс Пёльциг, Ганс Шарун, Пауль Шмиттхеннер, Людвиг Шрауфф, Фриц Шумахер, Генрих Штраммер[?], Бруно и Макс Тауты, Фриц Фоггенбергер, Мартин Вагнер, Фридрих Вагнер-Полтрок, Альфред Винер, Гуго Цедер, Пауль Цукер, Отто Розенкрантц, Союз германских художников-декораторов, Мюнхен, д.н. Адольф Бене, Теодор Дейблер, Фердинанд Гебель, Бернгард и д.н. Ганс Кампфмейеры, д.н. Германн Мейер, Мюнхенское общество исследования света и цвета, д.н. Карл Эрнст Остгауз, Адольф Отто, д.н. Йон Шилковски, д.н. Иосиф Стриговски, Эрих Ворбс