gern modern?

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Gern modern?“ — unter diesem Titel zeigt der „Werkbundarchiv—Museum der Dinge“ in der Oranienstraße die Wohnkonzepte für Berlin nach 1945. Zu sehen ist tagreelles und zukünftiges Einrichten, wie von Werkbundlern gleich nach dem Kriege bis in die späten 1950er entwickelt. Einiges über Jahre bildprägend doch inzwischen vergessen, anderes nie angenommen und somit auf dieser Schau fast erstmalig gezeigt: ein Besuch sei wärmstens zu empfehlen.

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Es gesellt sich zur berühmten „Werkbundkiste“, einem Wohnungs-Einrichtungs-Spielkasten für Erwachsene, zu den zeitgenössischen Plakaten und ganzen Möbelstücken (wobei nebst einem neuartigen Dreibein-Ring-Hocker ein aus Bewehrungsstangen selbstgebastelter Stuhl die Aufmerksamkeit an sich zieht) gleich eine ganze Retrospektive der unter Hans Scharouns Regie konzipierten Ausstellung „Berlin plant, erster Bericht“ (1946, Werkverzeichnis 162).

Eingangsplakat am geschossenen Stadtschloß-Portal

Eine besondere Attraktion damals waren fünf wie Puppenstuben eingerichtete Montagehaus-Modelle, Einfamilienhäuser aus Kunststoff. Entwickelt hatte sie ein „Internationales Komitee für Wohnungswesen“ (DE — Böttcher, Ebert, Friedrich, Mächler, Scharoun, Seitz, Selmanagic; FR — Hauptmann Polin, Mme Fayolle; GB — Hauptmann Newmann; SU — unbekannt; US — unbekannt): die Haustypen sollten die Wohngebräuche Amerikas, Rußlands, Frankreichs, Englands, Deutschlands wiederspiegeln und auch bessern, und so einen Beitrag „zum friedlichen Aufbau der Welt“ leisten (Hans Scharoun bei Eröffnung der Schau).

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(links, Typ Frankreich; rechts, Typ Deutschland)

Der Meister selbst beteiligte sich am Modellhaus „Typ Deutschland“ (Werkverzeichnis 163). Für die Ausstellung wurden vom Oberstufenzentrum für Holztechnik, Glastechnik und Design alle Modelle nachgebaut, „Typ Deutschland“ sogar im damaligen Originalmaßstab, sogar mit dem Traggerippe.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juni 2017, täglich außer Dienstags und Mittwochs von 12.00 bis 19.00 Uhr in der Oranienstraße 25, 10999 Berlin.

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