Denkmalschutz ade – Gebäude und Gartenanlage der Architekten Hans Scharoun und Hermann Mattern wird verunstaltet

Die Scharoun-Gesellschaft ist bestürzt über die Vorgänge am Haus Dr. Felix Baensch in Spandau-Weinmeisterhöhe, Höhenweg 9, das von Hans Scharoun und dem Gartenarchitekten Hermann Mattern, zusammen mit Herta Hammerbacher und Karl Foerster 1934/1935 errichtet wurde.

Das Haus zählt zu den namhaftesten Hauptstücken des künstlerischen Schaffens der Architekten und steht bereits seit 1971 in seiner Gesamtheit auf der Berliner Denkmalliste.

Bisher hat die Scharoun-Gesellschaft das Gebäude interessierten Baugeschichtlern, Forschern und Filmemachern stets als ein zwar etwas verstaubtes, aber immerhin gut erhaltenes Original empfehlen können.

Als das Haus zum Jahresanfang eingerüstet wurde, ging man davon aus, dass eine Instandsetzung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes stattfindet.

Leider musste jetzt festgestellt werden, dass dies nicht der Fall ist, dass größere Baumaßnahmen geplant sind, wie z.B. eine Aufstockung und eine Unterbauung des Gebäudes. Bei der ebenfalls unter Schutz stehenden Gartenanlage wurden bereits Fakten durch eingeleitete Erdarbeiten geschaffen.

Aufnahme Claudia Riedel

Da sich die Zeiten ändern und somit auch die Lebensmuster sowie die Bedürfnisse, besteht auch die Bereitschaft, den neu einziehenden Bewohnern moderate Änderungen an der Originalsubstanz zu ermöglichen.
So war die Denkmalbehörde auch ohne Weiteres damit einverstanden, beispielsweise die angebaute Garage gegen weitere Nutzräume auszutauschen. 
Nun aber wird der Wert und Sinn der Unterschutzstellung in Frage gestellt!

Eine Begehung der oberen und unteren Denkmalbehörde am 22.06.2020 brachte leider keine Einigung. Auf das Angebot der Scharoun-Gesellschaft zur gutachterlichen Vermittlung vom 24.06.2020 wurde nicht geantwortet.

Wir wenden uns hiermit an die Öffentlichkeit in der Hoffnung, dass ein gemeinschaftliches Interesse am Bau die Eigner zur Meinungsumkehr bewegt. Denn Eigentum ist auch eine Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber.

(3) Kommentare zum Beitrag “Denkmalschutz ade – Gebäude und Gartenanlage der Architekten Hans Scharoun und Hermann Mattern wird verunstaltet”

  1. Dr. Dieter Nellessen 07.07.2020 07:17

    Die Baustelle ist stillgelegt und das Bußgeldverfahren eröffnet. Im nächsten Schritt werden für Haus und Garten Denkmalpflegepläne gefordert.
    Genehmigt wurde ein zweigeschossiger, abgesenkter Anbau, der mit dem Haupthaus durch eine „Verbindungsbrücke“ verbunden ist.
    Angezeigt wurden nur der Baubeginn des Anbaus. Alle anderen Baumaßnahmen am Haus und im Garten wurden ohne vorliegende Genehmigungen begonnen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dieter Nellessen
    Bezirksamt Spandau von Berlin
    Untere Denkmalschutzbehörde

  2. Sebastian Redecke 23.07.2020 00:26

    „…Ursprünglich war den Eigentümern im Bereich der alten Garage ein kleiner, abgesenkter Zubau, der über einen Steg erreicht wird, zugestanden worden. Doch die Planung wurde … umfangreicher. Man will … eine neue offene Präsentierküche, dazu ein Kinderzimmer und eine richtig große Garage. Die Freitreppe des Hauses und Teile des Gartens sind nun auch verschwunden. Hat da keiner bei der Genehmigung genau hingeschaut?“

    Veröffentlicht in der „Bauwelt“, Heft 15, 2020

  3. Karin Berkemann 31.07.2020 06:25

    Anbauentwurf von Ammar Horia


    Genehmigter Blick von der Straße


    Tatsächlich vorgenommener Bau


    Erdgeschoß


    Obergeschoß


    Querschnitt


    Längsschnitt

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