Kulturforum JETZT!.. und auch ein Bißchen früher

Noch bis 22. März 2026 sind auf der unteren Ebene des Museumsvestibüls an der Piazzetta Ergebnisse eines Sommerseminars aufgebaut. Studenten der Universität der Künste (Professor Bettina Götz und „atelier le balto“) zeigen ihre Ideen zur Verlebendigung des Kulturforums: manches neu — anderes vielleicht naiv — und drittes irgendwie vertraut.

Ein großes Modell begrüßt den Besucher. Keine zusammenhängende große Planung, dafür aber ein gemeinsamer Gedanke: die „Zwischenräume“ der großen Solitäre neu aufgreifen, „als verbindende Elemente, als Möglichkeitsräume für städtisches Leben, als Orte des Verweilens und der Begegnung.“

Die „Boundary“ an der Tiergartenstraße, wo ein Dauerstau oder zu besseren Zeiten einfach nur starker Verkehr die Kulturstätten vom gegenüberliegenden Park scheidet, wollen Woohee Kim und Yeeun Kang aufheben. Ihr Mittel dazu: die dritte Dimension, eine halsbrecherisch filigrane Hochstraße. Die Blicke, der Fußgängergewinn wären spektakulär — und der Haupteingang zur Philharmonie eingemottet.

Joss Pablo Pionschek geht den umgekehrten Weg: sein „Graben“ ist ein unbetretbarer Trockenkanal, wo heute noch der Mattäikirchplatz und die Karajanstraße verlaufen. Kühlung und Regenwasserversickerung geben die Begründung her, Hollein dagegen fehlt in der Herleitung gänzlich.

Gleich nebenan unternimmt Nathan Reichenthal einen „Kruste“ genannten Eingriff. Allen Großbauten des Kulturforums die „sakrale Abgeschottenheit“ attestierend, legt er dem Kunstgewerbemuseum einen Flachbau-Gürtel um, unterteilt in vermietbare, von der Straße zu betretende Nutz-„Parzellen“. Auf daß ein Leben sich da einniste. Diese Kritik sollte man sich wirklich beherzigen; was späche gegen die Erdgeschoß-Öffnung etwa der Kunstbibliothek? Und sei es auf die Kosten des dortigen Fahrradunterstands? Ganz nebenbei kommt der einzige noch sockellose Bau des Kulturforums zu einem Erdgeschoßvorsprung wie an der Philharmonie, der Staatsbibliothek und der Nationalgalerie.

Lukas Paul Ruhe ersetzt den Piazzetta-Belag mit Grün und verastelten Wegen — das schlugen bereits andere vor ihm mehrmals vor. Die geometrisch bessere Zugänge an den Kassen und Garderoben vorbei — auch. Ganz neu und der eigentliche Clou seines Entwurfes sind aber die karnevalesken Pavillons in der Tradition der hier dereinst gastierenden Zirkuszelte: ein Bücherrund an der Kunstbibliothek, eine Vitrine am Kunstgewerbemuseum, eine „Kultursäule“ als Abschluß des „Scharounplatzes“. Es hätten ruhig noch weitere kommen dürfen, ob mit oder ohne Grünteppich.

Das „Kunsthaus Kulturforum“ von Elisabeth Weinbacher und Marwin Seeber bebauen die einstige Vorhaltefläche zwischen dem Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie und dem WZB mit einem Wohnregal mit Werkhalle. Künstlerateliers zum darin Wohnen und Arbeiten… haben wir es nicht einmal schon irgendwo gehört? Das Hochklappen des Mies-Rasters ins Vertikale ist dagegen sehr wohl neu und überzeugend.

So gelangen wir schließlich ans „Ufer für alle“, einen Entwurf von Paula Riebel und Lara Grefer. Der Schritt an die Gewässer, Landwehrkanal wie Pianosee — was könnte natürlicher sein? Doch richtig fließend wird es hier nur in den Berlin-bekannten aufgeständerten rosa Röhren. Einen Saunasteg unter die Potsdamer Brücke wagen die Autoren — den Durchstich zur Nationalgalerie und dem dortigen Künstlerregal dagegen nicht. Die nie genutzten Straßen-Verschwenk-Flächen südlich der Staatsbibliothek markieren sie — ohne eine Nutzung vorzuschlagen.

Das obige stellt nur eine Auswahl der Arbeiten vor. Nicht dargestellt aber sehenswert sind auch Finn Brunsch, Sophie Daum, Anna Jung, Lea Krüger, Jakob Stadtmüller, Augusta Verbiesen, Carl Wolff.

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