Haus Gobert, Sodehnen

Zweifamilienhaus an der Landstraße Insterburg—Darkehmen.

Dorfapotheke Schumann/Arensmeyer, Tierarztpraxis Dr.Wilhelm Mogk und Hebamme Margarethe Mogk.

1946—2008, Grund- und Mittelschule unter Anbau des Klassentraktes und der Sporthalle, seitdem leerstehend.

(9) Kommentare zum Beitrag “Haus Gobert, Sodehnen”

  1. admin 28.05.2018 02:16

    Am 9. Mai 2018 nahm Anna Korolöwa diese Ansichten auf.

    Am 16. Mai 2018 votierte daraufhin der Beirat des Landesdenkmalamtes Königsberg für die Unterschutzstellung des Bauwerks.

  2. Edda Fricke 02.05.2019 12:50

    Ich war am 24.4.2019 in Sodehnen und habe beigefügte Aufnahmen gemacht: der
    Zustand ist sehr traurig.

  3. admin 03.05.2019 09:32

    Sehr geehrte Frau Fricke,

    vielen Dank für Ihre Aufnahmen.
    Die Sicht ist tatsächlich eine traurige: bereits im vorigen Mai hat man das Haus abgedeckt und schritt daran, es abzubrechen. Unserem Denkmalschutzantrag, im April gestellt, wurden deswegen auch keine Chancen mehr eingeräumt. Doch dann stockten plötzlich die Arbeiten, seit über einem halben Jahr ist kein Bauarbeiter mehr gesichtet worden…

    Erlaubt sei mir die Frage: hat Ihr Vater seinerzeit mit Dr. Mogk zusammengearbeitet?

  4. Edda Fricke 03.05.2019 12:27

    Ja, mein Vater hat während seines Studiums bei Dr. Mogk ein Praktikum gemacht und ihn nach Erteilung der Approbation vertreten.
    Anschließend hat er sich als Niedersachse in Ostpreußen selbstständig gemacht.

    …Ich war als Mitglied der Gesellschaft der Freunde Kants und Königsbergs zum 295. Geburtstags Kants in Kaliningrad und umzu. Natürlich waren wir auch in Judtschen (Kanthausen), das ja ebenfalls in der Nähe von Insterburg liegt.

    [Es] hilft .., denke ich, jeder Besuch und jedes Wahrnehmen von den Scharoun-Häusern, das Wahrnehmen ihrer Vernachlässigung und das Bekanntmachen der Wahrnehmung.
    Ein Wiederherstellen muss ja mit einer Nutzung verbunden sein, aber da das Gebiet von russischen Touristen vermehrt aufgesucht wird und in Insterburg Sommerschulen für Studenten (angedacht: international) stattfinden oder stattfinden sollen, würde sich auch Sodehnen als Ort eignen. Das Haus ist ja wohl nicht im Privateigentum. Kann den Entscheidern nicht peinlich sein, dass Touristen ein gutes Erbe so vorfinden? Und dass es im Hinblick von Kants 300. Geburtstag mehr Besucher der Gegend geben wird, zumal wenn auch das architektonische Erbe in den Blick gerät?
    Ich habe gelernt: es wird nur investiert, wenn jemand mit viel Geld Interesse hat und sich vorstellen kann, dass auch finanziell etwas rausspringen könnte.

  5. admin 03.05.2019 14:06

    Vielen Dank für Ihre Unterlagen aus der Zeit. Sollten Sie u.U. noch weiteres von der Praktikumszeit Ihres Vaters haben, Bilder auch noch so verschwommen, usw. usf., so wären wir an denen allen sehr interessiert. Leider haben die Erben Mogk nichts retten können auf der Flucht, und die Nachfahren seines Nachfolgers Staufenbiel fand ich nicht. Genausowenig die des Apothekers Schumann. Auch die Person des Bauherren und Michbauern Gobert bleibt rätselhaft, bis auf sein Wappen.
    Vielleicht kommen Ihnen diese Namen irgendwie vertraut vor?
    Das Haus ehem. Gobert ist in der Tat in Privathand. Im Herbst 2017 von der Kreisverwaltung Darkehmen versteigert. Der Käufer war ein Königsberger, der eine Abbruchfirma betreibt.

    Sodehnen erscheint mir [leider fast aufgegeben] – so leid es mir auch tut, derlei auszusprechen… Wie gewinne man wen für ein Dorf in Niemandsland?

  6. Edda Fricke 04.05.2019 20:55

    Mein Vater, Jahrgang 1911, war 23 Jahre alt, als er sein Praktikum bei Dr. Mogk machte und 25 Jahre alt bei seinem ersten Arbeitseinsatz, der mehrmonatigen Vertretung. Ich nehme an, dass er gar keinen Fotoapparat besaß, daher in dem Album seine Beschriftung mit dem Hinweis auf Dr. Mogk neben den Ansichtskarten von Insterburg und von Beynuhnen.

    Spätere Fotos zeigen Personen ohne Gebäude, aber bei den Beschriftungen taucht Dr. Mogk nicht auf. Fotos gibt es auch nur, weil meine Mutter im Krieg Pakete mit persönlichen Dingen zu Verwandten in den Westen geschickt hat; ihr ist mit meiner Schwester, Jahrgang 1939, die Flucht über die Ostsee im Januar 1945 geglückt, mein Vater hat ja als Veterinär den gesamten Krieg mitgemacht. Meine Mutter ist schon 1955 verstorben und mein traumatisierter Vater ließ sich nicht befragen. Das belastet unsere Generation doch heute noch.

    War in dem Haus wirklich eine Apotheke oder wohnte dort ein Apotheker aus Insterburg oder Darkehmen? Ich bin Apothekerin und weiß aus meinem pharmaziehistorischen Interesse, dass irgendwann bedauert wurde, dass aus Ostpreußen vertriebene Apotheker nicht rechtzeitig befragt wurden nach ihren Betrieben und ihren Erinnerungen an die Berufszeit; später lebten sie nicht mehr.
    Ich habe meine diesbezügliche Literatur heute auch noch mal durchgesehen und auf die Namen geachtet.

    Viele, wohl die meisten Unterlagen waren ja sowieso verloren.
    In Judtschen konnten ich ein paar Worte mit Prof. Iwan Czeczot aus Petersburg wechseln; ich wunderte mich über seine anscheinend guten Kenntnisse, er kennt auch das Haus Gobert. Ich konnte ihn dann aber nicht weiter befragen.

  7. admin 05.05.2019 06:26

    Danke für Ihre Mühen. Daß die Erfolgschance gering war, war bewußt.

    Unser Wissen habe ich aus dem Zweibänder „Apotheker und Apotheken in Ost- und Westpreußen 1397-1945“, von Hansheinrich Trunz, erschienen in Hamburg in 1992; aus dem „Darkehmer Kreisblatt“, dem „Angerapper Heimatbrief“, und aus dem „Westpreußischen Geschlechterbuch“ („Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien“, Band 182, Limburg an der Lahn, 1980). Die Berliner Akademie der Künste war aber die Auslöserin des Stoßprojekts der Unterschutzstellung, als nämlich im dortigen Archiv sich unerwartet im Sommer 2017 Aufnahmen des Hauses fanden. Davor war der Eintrag im Werkverzeichnis ohne Bild und nicht kartierbar.

    Da es im Ort eine Baufirma Baguß gab, die auch die Kirche errichtet, steht sie aus ausführende Kraft des Neubaues ziemlich fest.
    Ihr Kunde war ein Wilhelm Gobert, geboren am 12.12.1883 zu Palschau, Sterbeort und -Datum unbekannt. Meiereibesitzer. Hatte eine Tochter Charlotte, geboren am 16.1.1911 zu Sodehnen, verheiratet mit Walter Siebert, verstorben am 20.4.1966 in Opladen.
    Die Familie war hugenottischer Abstammung und lebte vom 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Barendt-Palschau bei Marienburg.
    Kaum denkbar, daß der Gobert das Haus selber nutzte, für 3 Parteien – ihn, Apotheke und Tierarztpraxis – wäre darin kein Platz. Die beiden letzteren waren aber von Anfang an dabei, wie die Anzeigen im Kreisblatt belegen.

      

    Der erste Apotheker in Sodehnen hieß Schumann. Er öffnete 1921, zog 1925 ins neue Haus und verkaufte die Konzession 1930 an Wilhelm Arensmeyer. Seine Witwe führte ab 1934 die Apotheke weiter, der Verwalter hieß ab 1937 Hans Krüger. Sie lebte nach dem Krieg in Bitterfeld.
    Es wird noch ein „Michel, K.“ erwähnt, der wohl Mitarbeiter in der Apotheke war und nach Verden floh.
    Die Apotheke war wohl gut angesehen, denn in der „Pharmazeutischen Zeitung“ von 1935 wird sie mit angeführt als eine, an der angehende Apotheker ihr „soziales Halbjahr“ ableisten können. Im Heimatbrief von 1994 wird das Haus auch nur kurz als „Apotheke Arensmeyer“ genannt (davor war der Rufname „Villa am Bahnhof“).

    Von den Mogks weiß man, daß sie 1930er nach Tilsit zogen.

  8. Jan Loose 14.05.2019 06:47

    Danke für diese Arbeit des Aufspürens und verfügbar Machens, nicht nur, weil ich damit Einblick in die Geschichte meiner Familie erhalte, sondern auch, weil ich Scharoun nun kennen lernen darf. Die Bonmots dieses tiefen Geistes, die die Ebenen des menschlichen Seins mit der Architektur in Bezug setzen und nie an Aktualität verlieren werden, holen mich ab und geben mir kostbare Impulse.

  9. Sibylle Wolff 22.05.2019 16:26

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    auch ich war mit Edda Fricke und den „Freunden Kants“ am 24.4.19 in Sodehnen und habe die traurigen Reste dieses Scharoun-Hauses gesehen. Jetzt, bei der Erstellung meines Reiseberichtes, bin ich bei der Suche nach Hintergrundinformationen auf Ihren Chat-Verlauf gestoßen.
    Ich kannte in den 60er und 70er Jahren einen Tierarzt Dr. Staufenbiel in der Uckermark und weiß, dass es in dieser Familie ostpreußische Wurzeln gab. Vielleicht könnte das weiterhelfen bei Ihrer Nachfahrensuche?
    Bei Interesse kontaktieren Sie mich gerne.

    Mit besten Grüßen, z.Zt. aus Marbella,
    Dr. Sibylle Wolff

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