Nachruf zum Tode von Professor Hinrich Baller

Wie erst jetzt bekannt wurde, starb am 23. Juli Prof. Hinrich Baller mit 89 Jahren. Er hinterlässt ein außergewöhnliches architektonisches Werk, das ca. 200 Gebäude umfasst.

Baller gilt als einer der eigenwilligsten Architekten der vergangenen Jahrzehnte mit einer Skepsis gegenüber dem rechten Winkel. Seine Vorliebe galt organischen Formen und einer Architektur, die menschenfreundlich und farbig ist. Durch das architektonische Werk mit seiner organischen Prägung zieht sich erkennbar auch ein roter Faden des Experimentierens.

Hinrich Baller, 1936 in Stargard geboren, besuchte zunächst nach seinem Abitur eine Musikschule in Berlin und studierte dann an der Technischen Universität Berlin, dort erwarb er seinen Diplomabschluss.

Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Bernhard Hermkes, Professor für Baukonstruktion und Industriebau an der Technischen Universität Berlin. Dort lernte er seine erste Frau Inken Baller kennen, mit der er bis 1989 im Rahmen eines eigenen Büros zusammenarbeitete. Es entstanden ab 1966 zahlreiche markante Wohnbauten, Kitas und öffentliche Gebäude.

Von 1972 bis 2001 war Hinrich Baller Professor für Architektur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, lebte aber weiter in Berlin. Ab den 1990er Jahren arbeitete er mit Doris Piroth zusammen, die Heirat erfolgte 1995.

Nach seiner Emeritierung war Baller nicht nur architektonisch-planerisch tätig, sondern auch als Referent. Er begleitete auch Lehrveranstaltungen, führte auch Gruppen- und Einzelgespräche durch. Herr Baller konnte dabei durch seine besondere Art der Wissensvermittlung überzeugend architektonische Zusammenhänge sehr gut darstellen. Dies geschah im Rahmen von Seminaren und Vorträgen, auch in Gruppen- und Einzelgesprächen, die nicht nur im universitären Umfeld, sondern auch in seinen geplanten Gebäuden und in seiner privaten Umgebung stattfanden.

Für ihr gemeinsames Werk wurden Inken und Hinrich Baller 2023 mit dem renommierten Großen BDA-Preis ausgezeichnet.

Die Jury würdigt das gemeinsame Werk von Inken Baller und Hinrich Baller u. a. als „eigenständige und ökologisch geprägte Entwurfshaltung, die unter den Bedingungen des sozialen Wohnungsbaus zu erstaunlichen Lösungen jenseits des Mainstreams führte. (…) Als experimentelle Reallabore mussten diese Bauten gelegentlich an die Grenzen der anerkannten Regeln der Technik stoßen. Mit zeitlichem Abstand lässt sich diese Architektur aber aufgrund ihrer Haltung als heute noch vorbildlich begreifen: aufmüpfig, fröhlich, sozial und von eigenwilliger Schönheit.“

Die Scharoun-Gesellschaft verliert mit dem Tode Hinrich Ballers einen fachlichen Ratgeber und jahrzehntelangen Begleiter. Seiner Familie gilt unser herzliches Beileid.

Dr.-Ing. Rainer Köllner
Vorsitzender der Scharoun-Gesellschaft e. V

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